Dat Duire Singen
Üewer sesstig Jauher iss es niu henne,
dat mit Willem, Heinrich, Korrad und Tönne.
De Sake hört oinfach moll uppgeschriewen.
Droi vna den Kumpels sit in'n Kroige bliewen.
Wie et domals in den Jauhern séu was,
me meik sik billig sölwes Spass.
De Frünne meuken sik upp'n Patt,
un gengen nauh Goiseke inne Stadt.
Sieweneikers Oihme upp en Kollenhuerwe,
harr für den Jungens ümmer ne warme Stuerwe.
Nau Huise wolln se nit seuchleuk,
séu lannern se boi Boihmers an'en Deuk.
Do sit se owwer äuk nit lange bliewen;
de paar Groschkens wörn hennig uitgegiewen.
Wie dat niu sèu iss boi Jungen,
nau en Drinken wett séu gärne sungen.
Sundagauwens was ruhig un still.
Wie 't de Duiwel moll séu will,
erschint boum Rathuis wie de Blitz,
de Schandarm, de Adams Fritz.
Se wit wierg; - heu: Heuhergebliewen !
Se wauhern eus moll uppgeschriewen.
Dat konn me freuer all belierwern,
Düse Kerls de könnt koinen Spass verdriergen.
Mit Bestraufen was me flott boi de Hand.
Nau 'n paar Dagen kamm des Bedreuwer van 'n Amt.
Feuf Mark wolle häwwen van jeden oinen.
Seu kamme äuk upp Marks Huerf,
nau Korrad den "Kloinen".
De Rehkemper was et, mit de amtliche Mappe,
in de Pellerine un de blaue Kappe,
un dien langen krummen Seutengewiehr,
de was wie de Duiwel echtern Gelle hihr.
"Für dat bittsken Singen, Jesses de Welt,
für 'n kloinen Mann verdammt viel Geld!"
"Watt dähen jeu äuk ti läuwern inne Stadt,
in Stürmede härn jeu't Singen billiger hatt!"
[Josef Schulte, Störmede]
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Das teure Singen
Willem, Heinrich, Konrad und Tönne, lange
ist's her,
die Kumpels, sie leben schon lange nicht mehr.
Drei von denen sind im Kriege geblieben.
Die Sache gehört mal aufgeschrieben.
Wie es in den 20er Jahren war,
man machte selber sich Spaß, das Geld war rar.
Die Freunde machten sich auf den Patt,
und landeten in Geseke, in der Stadt.
Sieweneihers Onkel auf dem Calenhofen
war die Wirtsstube immer offen.
Nach Hause wollten sie aber nicht sogleich.
So landeten sie bei Böhmers an 'm Teich.
Da sind die aber auch nicht lange geblieben,
die paar Groschen waren schnell ausgegeben.
Wie das nun mal so ist bei Jungen,
nach dem Trinken wird so gern gesungen.
Sonntagsabends war es, ruhig und still.
Wie's der Teufel mal so will,
erschien beim Rathaus, wie der Blitz,
der Polizist, der Adams Fritz.
Sie wollen weg, er: "Hiergeblieben".
Sie wurden erst mal aufgeschrieben.
Das gab es schon in früheren Jahren,
Polizei kann keinen Spaß vertragen.
Mit Bestrafen war man flott bei der Hand.
Nach ein paar Tagen kam der Beamte vom Amt.
Fünf Mark wollt er haben von jedem einen.
So kam er auf Marks Hof, zum Konrad, dem "Kleinen".
Der Rehkemper war es, mit der amtlichen Mappe,
in der Pellerine und der blauen Kappe.
Er trug auch einen Säbel als Seitengewehr.
Der war, wie der Deibel hinter'm Gelde her.
"Für dat bischen Singen, Jesses die Welt,
für'n kleinen Mann verdammt viel Geld".
"Was tatet ihr auch zu laufen in der Stadt,
in Störmede hättet ihr's Singen billiger gehabt".
[Josef Schulte, Störmede]
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